Spaziergang durch Sedlec und über die Kaňkovský-Höhen

Eines der ältesten Viertel von Kutná Hora sind Sedlec und die ehemalige Bergmannssiedlung Kaňk. Auf dem Spaziergang entdecken Sie nicht nur die Schönheit der ältesten Kathedrale Mitteleuropas, Sie enthüllen auch das Geheimnis der Tabakproduktion, betreten ein weltberühmtes Beinhaus und genießen eine nicht alltägliche Aussicht vom Aussichtsturm Kaňk auf die silberne Stadt. Zur besseren Orientierung halten Sie sich bitte an die gelbe Wegmarkierung des Tschechischen Wandervereins. Die Trasse wird ergänzt um einige Informationsschilder der Vereinigung Denemark, deren Radlehrpfad „Rund um Kutná Hora“ zu einem größeren Teil über diese Trasse führt.

Abtei Sedlec

In Sedlec wurde das erste Zisterzienserkloster in Böhmen gegründet (1142). In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde in der Umgebung von Kutná Hora mit dem Bergbau begonnen Obwohl das Kloster sich daran nicht beteiligte, kam es vor allem dadurch, dass es Gebühren für die Vermietung der betreffenden Grundstücke erhob, zu einigem Reichtum. Diese Geldmittel wurden für den Bau der Konventkirche Mariä Himmelfahrt und Johannes der Täufer verwendet wurden. In den Hussitenkriegen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster, einschließlich der Kirche, niedergebrannt, die meisten Mönche wurden ermordet.

Seine Blütezeiterlebte das Kloster an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert unter Abt Snopka, der eine Erneuerung der gesamten Abtei in Angriff nahm. 1784 wurde die Abtei zusammen mit den übrigen Klöstern auf Anordnung Kaiser Josephs II. aufgehoben. Später wurden im Kloster Wohnungen, ein Krankenhaus und Lagerräume eingerichtet. 1812 machte sich hier eine Tabakproduktion breit. Die ersten Zigaretten wurden hier im Jahre 1882 gedreht bzw. gewickelt.

Kathedrale Mariä Himmelfahrt und Johannes der Täufer

Die Konventkirche wurde vom sog. Meister der Sedlecer Kirche in den Jahren 1290 bis 1320 errichtet. Sie war zu diesem Zeitpunkt der erste Bau des Kathedraltyps und größter Sakralbau auf dem Gebiet Böhmens und Mährens. In den Hussitenkriegen wurde die Kirche niedergebrannt, und alles, was die kommenden Jahrhunderte noch von ihr zu sehen war, waren Ruinen. Unter Abt Snopka wurde Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts ein Wiederaufbau der Kirche in Angriff genommen, bei dem sich der berühmte Architekt des böhmischen Barock, J.B. Santini Aichl, mit seinem originellen Stil der Barockgotik durchsetzen konnte. Er fügte der Kathedrale unverwechselbare Bauelemente wie ein selbsttragendes Gewölbe und eine selbsttragende Treppe ein. 1995 wurde die Kathedrale in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Derzeit stehen zur Besichtigung zwei verschiedene Rundgänge zur Auswahl. Die Schatzkammer birgt das Original der Sedlecer Monstranz, eine der ältesten erhaltenen gotischen Monstranzen weltweit. Im Kinosaal der Kathedrale kann man sich einen Animationsfilm über die Geschichte des Sedlecer Klosters anschauen.

Das ehemalige Zisterzienserkloster und die Philip-Morris-Ausstellung

Gebäudereste des ehemaligen Zisterzienserklosters befinden sich gleich hinter der Kathedrale. In diesen Räumen siedelt heute das Unternehmen Philip Morris ČR a.s., doch wird den Besuchern ermöglicht, die Räume des ehemaligen barocken Konvents, die Abteikapelle, einschließlich der Ausstellung „Wandlungen des Klosters Sedlec“, zu besichtigen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, einmal die Produktionsräume in Augenschein zu nehmen. Die Besichtigungen finden jeweils mit Führung statt und müssen mindestens drei Tage vorher gebucht werden, Gruppen zählen ab 5 Personen. 

Durch den Eingang zum Firmengelände der Philip Morris ČR a.s., von der Straße Vítězná aus, können Sie auch die Ausstellung Philip Morris besuchen, die einen guten Überblick über die gegenwärtige und historische Entwicklung dieses Unternehmens bietet. Diese Ausstellung steht nur Personen ab 18 Jahre offen.

Die Allerheiligen-Friedhofskirche mit Beinhaus in Sedlec

Das Beinhaus befindet sich im unterirdischen Teil der Friedhofskapelle aus dem 14. Jahrhundert, die aus zwei übereinander gebauten Kapellen besteht. Auf dem dortigen Friedhof wurden, als die Hussitenkriege und die Pestseuchen wüteten, über 40 Tsd. Menschen bestattet. Nach der Aufhebung dieses weitläufigen Friedhofs gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden die exhumierten Knochen im Außen- und Innenbereich der unterirdischen Kapelle der Kirche deponiert. Ein halbblinder Mönch setzte sie dann im Jahre 1511 zu großen Pyramiden zusammen. Nach und nach wurde die Kapelle im Geiste des Memento mori mit Menschenknochen ausgeschmückt. Nach der Aufhebung des Sedlecer Klosters gingen die klösterlichen Ländereien und Bauten in den Besitz der Schwarzenberger über. Ihr Baumeister František Rint stellte 1870 mithilfe der Knochen und Schädel die unvergleichliche Dekoration der unterirdischen Kapelle fertig. Die Knochen wurden vor der Benutzung desinfiziert und gebleicht. Diese einzigartige Kapelle ist die pietätsvolle letzte Ruhestätte für fast 40 Tsd. Seelen, die hier vor uns waren.

Nationales Naturdenkmal Kaňk

Bei einer Wanderung über die Kaňker Höhen sollten Sie sich nicht die „Brandungsfazie“ entgehen lassen, die 1933 zum Nationalen Naturdenkmal „Na Vrších“ erklärt wurde. Hierbei handelt es sich um die Reste von Klippen des Kreidemeeres.

Ausflugsrestaurant Havířská bouda mit Aussichtsturm Kaňk

Verschnaufen und erfrischen Können Sie im Restaurant Havířská bouda, das sich inmitten des Kaňker Waldes befindet. Bestandteil des Areals ist unter anderem ein 30 m hoher Aussichtsturm, der 2013 aus einem massiven steinernen Zyklopengemäuer errichtet wurde. Nach oben gelangt man über 144 Stufen, doch kann man auch einen Aufzug benutzen. Somit ist der Aussichtsturm auch für Behinderte zugänglich. Die überdachte Aussichtsterrasse mit Café und Restaurant für 20 Personen bietet eine tolle Aussicht auf das Panorama von Kutná Hora und die weitere Umgebung...

Pinge

Das auf den Kaňker Höhen einst auch Bergbau betrieben wurde, bezeugt neben vielen historischen Quellen nicht zuletzt auch die rund 30 m tiefe Pinge, die 1969 durch den Einsturz eines alten Abbaukomplexes zwischen den Gruben Kreuz (Barbara) und Widrhol auf dem Turkaň-Streifen entstand.

Kalvárie

Oben auf dem Hügel Kaňk kann man ein Empire-Denkmal besichtigen, das Graf Johann Rudolf Chotek dort im Jahre 1814 hatte errichten lassen.

Kaňk und Laurentiuskirche

Kaňk entstand in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts gemeinsam mit Kutná Hora infolge eines Silber- und Kupferfundes. Die ursprüngliche Bergmannssiedlung wurde 1621 von Kaiser Ferdinand II. zur Stadt erhoben, und zwar mit den gleichen Rechten, wie sie Kutná Hora selbst hatte. Die Bergbautätigkeit dauerte in der Umgebung von Kaňk noch bis ins 20. Jahrhundert hinein an, als hier Zink- und Bleierz gewonnen wurde. Heute kann man hier neben den Relikten der Abbautätigkeit (Schlackenhalden, eingestürzte Schächte) auch außergewöhnliche Aussichten auf die silberne Stadt genießen oder die Laurentiuskirche besichtigen. Die Kirche wurde in den Jahren 1489 bis 1506 von dem Architekten Matthias Rejsek und von Meister Miláš aus Kuttenberg errichtet. Im Innenraum befinden sich ein Tabernakel und eine Kanzel, die zu den bedeutendsten spätgotischen Bildhauerarbeiten in Böhmen gehören. Die Kirche ist jedoch leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Zurück in die Stadt gelangt man vom Zentrum von Kaňk - „Na Pašince” über den Kaňker Gehweg und anschließend über die Lorecká-Gasse. Unterwegs kann man rechte Hand noch zwei kleine Kapellen besichtigen. Am Ende der Lorecká-Gasse  fällt der Blick zwangsläufig auf das weitläufige Gelände der früheren  Kuttenberger Brauerei.